Bei der systemischen
Familientherapie geht es darum, herauszufinden, ob jemand innerhalb der
erweiterten Familie in die Schicksale früherer Familienmitglieder verstrickt
ist. Das kann man durch Familienaufstellungen ans Licht bringen. Wenn das am
Licht ist, kann sich jemand leichter aus seinen Verstrickungen lösen.
Bei dieser Arbeit sind nur ganz wenige Informationen wichtig. Nämlich
äußere, einschneidende Ereignisse, nicht was Leute sonst denken oder tun.
Diese Ereignisse sind z.B. Trennung der Eltern, Tod von Geschwistern,
ausgeklammerte oder ausgestoßene Familienmitglieder, Komplikationen bei der
Geburt, oder wenn die Mutter bei der Geburt starb, etc..
Von den Teilnehmern werden Stellvertreter für Vater, Mutter und Geschwister
gewählt. Es sind ganz fremde Menschen, die der Aufstellende so zueinander
stellt, wie er das in Moment empfindet.
Das Phänomen bei diesen Aufstellungen ist, das die ausgewählten Personen,
die die Familienmitglieder vertreten, fühlen wie die wirklichen Personen.
Sie bekommen zum Teil sogar die Symptome, die diese Familienmitglieder
haben, ohne das sie etwas davon Wissen.
Verstrickung heißt, dass jemand in der Familie unbewusst das Schicksal eines
früheren noch einmal aufnimmt und lebt. Wenn z. B. in der Familie ein Kind
weggegeben wurde – das kann auch in der Generation vorher sein -, dann wird
er sich später so verhalten, als sei auch er weggegeben. Er kann sich nicht
daraus lösen, bevor er nicht weiß, dass er verstrickt ist. |
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Die Lösung geht den umgekehrten
Weg: die weggegebene Person wird ins Spiel gebracht. Sie wird z. B. in der
Familienaufstellung dazugestellt. Plötzlich wird die ausgeklammerte
Person für den, der mit ihr identifiziert war, ein Schutz. Wenn sie wieder
aufgenommen und gewürdigt wird, ist sie freundlich zu den Nachfahren.
Dabei wird deutlich, dass in den Familien und Sippen ein allen gemeinsames
Bedürfnis nach Bindung und Ausgleich keinen Ausschluss von Mitgliedern
duldet. Sonst wird deren Schicksal von denen, die nach ihnen kommen,
übernommen und weitergeführt, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Das
ist hier mit Verstrickung gemeint.
Werden aber die Ausgeschlossenen von den Verbliebenen als zugehörig
gewürdigt, dann gleichen Liebe und Achtung das an ihnen begangene Unrecht
aus, ohne das ihr Schicksal wiederholt werden muss. Das ist hier mit Lösung
gemeint.
Die Verstrickung gehorcht einer Ordnung, nach der das Schlimme durch
Schlimmes gesühnt werden muss und unschuldige „Kleine“ für schuldige „Große“
bürgen und büßen. Die Lösung dagegen folgt einer Ordnung, die das Bedürfnis
nach Bindung und Ausgleich auf heilende Weise erfüllt. Beide Ordnungen sind,
die erste auf unheilvolle und die zweite auf heilende Weise, „Ordnungen der
Liebe“.
Grundsätzlich können alle Systeme aufgestellt werden, z.B.:
- die Herkunftsfamilie
- die aktuelle Familie
- berufliche und andere Beziehungen
- Krankheiten etc.
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